Antibiotika-Resistenz soll weiteren Anstieg der Lebenserwartung bremsen


Carbapenem resistente Enterobakterien. Bild: CDC

Die britische Statistikbehörde senkt die Aussichten aufgrund weniger optimistischen Aussischten auf den medizinischen Fortschritt und die zunehmende Antibiotika-Resistenz

In einem neuen Bericht über die Lebenserwartung auf der Grundlage von Daten aus dem Jahr 2016 kommt die britische Statistikbehörde zu „weniger optimistischen Ausblicken“. Die Lebenserwartung steigt zwar weiter, aber geringer als 2014 projiziert. Die Mortalitätsraten waren 2015 und 2016 höher als vorhergesagt, zudem habe sich die Mortalität bei Menschen in höherem Alter weniger verbessert.

Geht man von den Mortalitätsraten in 2016 aus und rechnet diese hoch, so wäre die Lebenserwartung bei Geburt in 2016 für Frauen bei 82,9 und für Männer bei 79,2 Jahren. In 50 Jahren wären dann die Unterschiede zwischen Männern und Frauen weitgehend gleich geblieben. Frauen könnten mit einem Lebensalter von durchschnittlich 88,9 und Männer von 86,4 Jahren rechnen. Geht man hingegen davon aus, dass sich die Lebenserwartung für Kohorten weiter verbessern, so kommen die Statistiker bei diesen so genannten „Cohort life expectancies“ auf eine Lebenserwartung von 91,9 Jahren bei 2016 geborenen Frauen und 89,3 Jahren bei Männern aus. In 50 Jahren würden dann schon 98,1 (Frauen) und 91,1 (Männer) erreicht.

Und 2066 würden dann schon nach dieser Schätzung, sofern die Erwartungen eintreffen und nichts Unerwartetes dazwischen kommt, 50 Prozent der neugeborenen Mädchen über 100 Jahre alt werden, bei den Jungen wären es nur 44,2 Prozent. Sie kommen also in der biologischen Lotterie auch weiterhin trotz aller Veränderungen schlechter weg, auch wenn sie ein wenig aufholen und den Abstand verringern.

Auf der Grundlage der Mortalitätsraten von 2014 gingen die Statistiker noch davon aus, dass die Lebenserwartung von 2066 Geborenen bei Frauen bei 90 Jahren und bei Männern bei 87,4 Jahren liegt, also etwa ein Jahr länger wäre. Auch bei den „Cohort life expectancies“ ergeben sich leicht geringere Werte.

Was hat die Veränderung verursacht? Bricht, wie schon anderweitig vorhergesagt (Ende beim Fortschritt der Lebenserwartung?), der bislang kontinuierliche Fortschritt ab oder wurde der Höhepunkt erreicht[Link auf https://www.heise.de/tp/features/Maximales-Lebensalter-von-etwa-115-Jahren-3822689.html]? Die Statistiker sagen, es gebe weniger optimistische Ansichten über die Auswirkungen von Faktoren wie medizinische Fortschritte, das Wiederauftreten von Krankheiten und die Zunahme von Antibiotika-Resistenzen. Soziale Faktoren werden offenbar weniger eingerechnet, obgleich man weiß, dass die soziale Schicht einen erheblichen Einfluss auf die Lebenserwartung hat (Die reichsten Engländer können 19 Jahre länger gesund leben als die ärmsten).

Aufhorchen lässt, dass die Statistiker erstmals als einen konkreten Grund für die sinkende Lebenserwartung die zunehmende Antibiotika-Resistenz nennen. Schon vorher war die projizierte Lebenserwartung bzw. die weitere Zunahme des Lebensalters gesenkt worden. Begründet haben die Statistiker den erwarteten Einfluss der Antibiotika-Resistenz auf die Mortalität nicht weiter, allerdings gibt es seit vielen Jahren Warnungen, dass sich durch unnötige Verschreibungen und falsche Einnahme von Antibiotika und durch den Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung multiresistente Keime immer weiter verbreiten und die Gefahr besteht, dass die Superwaffe gegen gefährliche Infektionen, die neben anderen Gründen (Hygiene, Ernährung, Arbeitsbedingungen, Umweltschutz, medizinische Fortschritte etc.) ein entscheidender Faktor für die steigende Lebenserwartung war, nicht mehr greift (Warnung vor Bakterien, die gegen alle Antibiotika resistent sind).

Bislang sind keine Alternativen in Sicht, es könnten wieder tödliche Seuchen wie vor der Zeit der Antibiotika ausbrechen. Auch Viren und Pilze könnten Resistenzen gegen Medikamente ausbilden. Die WHO bezeichnet die Antibiotika-Resistenz als „eine der größten Bedrohungen der globalen Gesundheit, der Lebensmittelsicherheit und der Entwicklung“.
(Florian Rötzer)



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