Erste Ausfahrt im Audi SQ5 TFSI


Fahrberichte
Christian Lorenz

Eine häufige Gesprächssequenz in einem neuen Auto mit sportlichem Premium-Anspruch geht sinngemäß etwa so: „Braucht man das?“ „Nein, natürlich nicht. Aber Spaß macht es schon.“ An die letzte Aussage hängen sich immer mehr Fragezeichen. Macht es nicht tatsächlich immer weniger Spaß? Ist nicht das Verhältnis von Fahrspaß zu Leistung völlig unverhältnismäßig aus dem Gleichgewicht geraten? Steigen wir nicht aus 600-PS-Wahnsinnskisten im Schafspelz überschminkter Familienkutschen heutzutage mit einem peinlich-doofen „Ja, schon gut. Aber eigentlich hätt ich mir mehr erwartet“. An der vermeintlichen Schwelle zum Zeitalter der vernetzten E-Mobilität stellt sich da schon verstärkt die Sinnfrage.

Aussterbende Spezies?

Objektiv betrachtet holen zwar unsere Ingenieure immer mehr Leistung und Drehmoment aus immer leichteren, komplexeren und genialeren Maschinen. Das wird aber durch das Gewicht von immer mehr Komfortausstattungen, Sicherheitskomponenten und wachsender Karosseriegröße konterkariert. Und dann gibt es natürlich noch den schieren Wunsch nach mehr Leistung. Der Durchschnittsverbrauch wird so nicht sinken und so stellt sich immer öfter die Frage, ob die Zeiten von Fahrzeugen wie dem neuen Audi SQ5 TFSI nicht langsam vorbei sind.

Da brauch‘ ich jetzt niemanden mit der Frage zu langweilen, ob über 350 PS starke, auf Fahrdynamik optimierte SUVs nicht die Antwort auf eine Frage sind, die es ohne sie nicht gäbe. Gerade auch in ihren dynamischen Spielarten verkaufen sich die Macans, X3 und eben auch Q5 dieser Welt wie die warmen Semmeln. Am besten gingen bislang die starken Dieselmotoren, und so war auch der SQ5 (die Performance-Variante des Q5) in Europa ausschließlich mit einem V6-Diesel erhältlich. Nach dem Abgasbetrug kann man Audi aber nicht verdenken, jetzt auch diesseits des Atlantiks einen SQ5 TFSI mit dem 354 PS starken Dreiliter-V6-Turbo anzubieten, den wir schon aus S4 und S5 kennen. Der Diesel wird mit einem kleinen Respektabstand einen ebenso potenten Nachfolger bekommen.

Bei unserem SQ5-Testwagen hat Audi mindestens 20.000 Euro Mehrausstattung auf die 64.000 Euro Einstiegspreis gepackt. Naturgemäß werden wir von einer Wohlfühllandschaft empfangen. Wie gehabt sind Materialien und Verarbeitung hier ganz weit vorne. Auch in Sachen Konnektivität, Infotainment, Sicherheits- und Assistenzsysteme ist hier alles am Start, was gut und teuer ist. Kein Geheimnis ist auch, das die Bedienung bei BMW einen Tick intuitiver gelingt. Nach etwas Eingewöhnung dürfte das aber keine große Rolle mehr spielen. Ein virtuelles Kombinstrument mit zig möglichen Grafiken und Ansichten war im Testwagen auch verbaut. Bei Audi lässt es sich gut ablesen. Und es ist auch beeindruckend sich die Navigation in Fotooptik hinter die Instrumente holen zu können. Aber ich würde nicht einmal im Traum darauf kommen, die 500 Euro dafür zu investieren. Die gut gemachten Serienrundinstrumente inkl. des hochauflösenden 7-Zoll Farbdisplays in der Mitte informieren mich über alles, was ich wissen will. Nur einen Zeiger für die Öltemperatur hätte ich noch gern. Den gibt es aber auch gegen Mehrpreis nicht.

Hobbyböse und elastisch

Mit dem Startknopf erwacht dezent bollernd der V6-Benziner. Die Sportauspuffanlage erlaubt ihm ein leichtes Rotzen, das sich aber nie in den Vordergrund spielt. Und wenn man mit den etwas kurz geratenen Plastik-Schaltpaddles im Dynamic-Modus herunterschaltet, gibt die Achtgang-Wandlerautomatik sogar Zwischengas. Technisch ergibt das natürlich keinen Sinn, doch soll das wohl so wirken, wie der Daniel-Craig-James-Bond in Smoking und Casino, bei dem durch den perfekten Stil und die lupenreine Erziehung doch das gefährliche Tier durchschimmert. Es könnte für manche aber auch ähnlich peinlich erscheinen, wie das blähbäuchige Ralph-Lauren-Blasshuhn mit Gold-Rolex, das mit Papas Geld auf dicke Hose macht.

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