Fahrbericht: BMW 430i Cabrio | heise Autos


Fahrberichte
Wolfgang Gomoll

Es lässt sich wohl trefflich darüber streiten, ob ein 4er-Cabrio die schönste Möglichkeit ist, einen BMW-3er zu fahren. Ein kleines Facelift soll die Stärken des Wagens noch besser zur Geltung bringen. Eine erste kurze Ausfahrt mit einem 430i zeigt, dass dies im Detail durchaus gelungen ist. Es gibt aber auch eine Schwäche, die in dieser Umgebung stärker auffällt.

Zwischenlösung 430i

Der Testwagen war mit jenem Zweiliter-Vierzylinder ausgestattet, der zu den Baukasten-Motoren im Konzern gehört und mit verschiedenen Leistungen in diversen Modellen eingebaut wird. Im 430i wird er seit März 2016 verbaut. Mit 252 PS und 350 Nm ist er auch im prinzipiell schweren Cabrio mehr als ausreichend kräftig. Im Standardsprint bleibt er unter sechs Sekunden, maximal sind 250 km/h möglich. Im Alltag ist die Maschine stets hellwach und hängt gut am Gas. Mehr Leistung braucht es in einem Cabrio eigentlich nie. Trotz des auf kurzen Wegen angenehm zu bedienenden Schaltgetriebes raten wir zur Achtgang-Automatik von ZF. Sie schaltet so unauffällig und treffsicher, dass kaum einer die Handarbeit vermissen wird. Es ist eines von zwei Extras, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Wer den offenen Wagen gleiten lässt, kann mit rund sieben Litern auskommen – mehr als 11 erfordern schon groben Vorsatz. Wie bei der Konkurrenz gibt es noch keinen Partikelfilter. BMW wird hier binnen Jahresfrist nachbessern müssen, denn ab dem 1. September 2018 wird kaum ein Benzindirekteinspritzer die für alle erstmals zugelassenen Autos ab da gültigen Grenzwerte ohne Filter einhalten.

Leistung, Fahrbarkeit und Verbrauch sind also sehr gut, und dennoch fällt es schwer, diese Maschine mit ganzer Überzeugung zu empfehlen. Was fehlt, ist ein akustischer Genuss. Der Motor tönt belanglos, wer ihn zur Eile treibt, bekommt eben nicht jenes schöne Klangbild geboten, dass früher so viele BMW-Cabrios ausgezeichnet hat. Inzwischen hat BMW allerdings ein paar Tüftler darauf angesetzt, dem Vierzylinder einen achtbaren Sound zu entlocken – die Maschine tönt hier kraftvoller als in der Limousine.

Natürlich bietet BMW auch heute noch einen feinen Sechszylinderklang an, doch der Aufpreis von fast 10.000 Euro gegenüber dem 430i dürfte mit dafür verantwortlich sein, dass ein 440i Cabrio nur selten geordert wird. Gleichzeitig befindet sich der 430i in einer Zwischenposition: Schon ein 420i taugt mit seinen 184 PS zu weit mehr als nur zum Cruiser. Und das BMW für den Schritt zum 430i – der ja grundsätzlich die gleiche Maschine hat – knapp 5000 Euro berechnet, erscheint uns ganz schön happig. Dieses Geld würden wir anderweitig investieren. Die lange Preisliste bietet dazu reichliche Möglichkeiten. Wir empfehlen beispielsweise, wie schon im 330e, die sehr guten Sportsitze.

Fast alles wie gehabt

Die gerade erfolgte Modellpflege der Oben-Ohne-Version ist nur für Experten der Baureihe auf den ersten Blick zu erkennen. Ein größerer Lufteinlass mit Chromumfassung in der Frontschürze und eine Lichtgraphik der LED-Heckleuchten, die sich ein bisschen vom der traditionellen „L“-Form entfernen und jetzt geschwungener und durchgängig sind. Serienmäßig sind nun LED-Scheinwerfer, für die Adaptiv-Funktion kassiert BMW aber weiterhin zusätzlich.

Im Interieur findet sind nur etwas mehr Chrom und Lack, was am grundsätzlichen Eindruck wenig ändert, dass BMW schon mal ein besseres Händchen dafür hatte, etwas hochwertig erscheinen zu lassen. Das schwarze Kunststoffteil rund um den Schalthebel ist nur geringfügig griffsympathischer als eine Margarinepackung – in einem Auto dieser Preisklasse scheint uns das nicht erstrebenswert. Die Verarbeitung an sich ist aber gut, im Testwagen war auch auf schlechten Straßen kein Klappern, Knistern oder Knirschen zu vernehmen.

Vorbildlich löst BMW gegen reichlich Zuzahlung das Kapitel Infotainment. Das Navigationssystem Professional ist rasend flink, reich an Funktionen und dabei trotzdem vergleichsweise einfach zu bedienen. Die acht nahezu frei belegbaren Tasten erleichtern den Alltag enorm: Ob nun Telefonnummern, Ziele, bestimmte Funktionen des Bordcomputers – das eigene Wunschmenü ist nur ein Knopfdruck entfernt. Im vergangenen Jahr bekam es eine „Kachel“-Optik, die moderner wirkt als das Auswahlmenü zuvor. Ganz neu in 3er- und 4er-Reihe ist ein Display anstelle eines Kombiinstrumentes. Das kostet nur 390 Euro Aufpreis, ist allerdings nur zusammen mit dem teuren der beiden Navigationssysteme zu haben. Musikliebhabern, die nicht nachrüsten wollen, sei das teure Soundsystem von Harman/Kardon empfohlen. Das Standard- und das kleine HiFi-System klingen deutlich schlechter.

Nicht härter

Die anderen Modelle der 4er-Reihe wurden mit dem Update etwas strammer abgestimmt, was sie sportlicher erscheinen lassen soll. Ob das nun nötig war, sei dahingestellt. Das Cabrio entging dieser „Versportlichung“. Es lässt sich trotz der stets spürbaren Pfunde, die dieser 4er so mit sich herumschleppt, flott um die Ecken treiben. Die Seitenneigung mag bei flotter Kurvendurcheilung höher sein als in den beiden Coupés, doch der Komfort ist es letztlich auch. Das 4er-Cabrio beherrscht beides – uns überzeugt der gefundene Kompromiss jedenfalls nach wie vor. Abgesehen vom lauen Klang des 430i lässt sich das auch auf die restliche Grundkonstruktion übertragen. Nur leisten können muss man sich dieses Vergnügen.

Alle Kosten dieser Probefahrt wurden vom Hersteller getragen.



(Wolfgang Gomoll)

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