Isch seh‘ Disch | Telepolis



Neben der Spur

In französischen Schulen hält der „Big Brössör“ seinen Einzug. Online zumindest

Fangen wir vielleicht ein wenig anders an. Blippar ist einer dieser Shazam Clones, die die Welt nicht braucht. Vermutlich. Ähnlich zur „Erkennen Sie die Melodie“-App, die einem ermöglicht, sogar die übelst gesungene Pop-Parodie noch als Nummer-1-Hit zu erkennen und sie dann direkt irgendwo in einem Store downzuloaden, gibt einem Blippar die Chance, ein beliebiges Automobil zu fotografieren und dann die Marke, das Baujahr und die Innenausstattung in 360 Grad anzuschauen.

Die App hat nur minimalen Unterhaltungswert, wenn man sie außerhalb des Straßenverkehrs anwenden will. So hat ein Selfie wenig Aussagekräftiges über meine Nationalität, mein Geburtsjahr und eventuell fehlende Innenausstattung (Blinddarm, 1974) ergeben. Aber vermutlich sollte man dieses Wunderwerk des Mobile Computing wirklich nur auf Autos anwenden.

Wo wir dann bei einer Schule in Frankreich wären. Vielmehr bei einer Business School aus Paris, die auf Nestor-Software baut. In zweien der Klassen werden in Bälde Gesichtserkennungsalgorithmen angewandt, um nachzuprüfen, ob die Schüler auch schön aufpassen. Da dröhnt es dann vermutlich bald „Jean Pierre, würden Sie bitte aufhören, so dämlich aus dem Fenster zu schauen und sich dabei einen Café au Lait vorzustellen“ durch den Online-Kanal, während die engagierte Lehrkraft versucht zu erklären, wie die französische Wirtschaft wieder wachsen kann. Und Jean-Pierre zuckt zusammen, versucht es noch mit einem kläglichen „Aber isch ‚eiße René“ und passt dann kleinlaut auf.

Wollen wir dann hoffen, dass dazu auch noch Software im Einsatz sein wird, wie sie auch schon Splatoon 2 aufweist. Dort können sich nur Spieler in einem Chat unterhalten, die sich sich auch wirklich kennen. Und böse, fremde Onkels sind eindeutig stummgeschaltet. Nun hoffen wir einfach, dass in der besagten französischen Business School nicht plötzlich eine sehr russisch gefärbte Männerstimme aufpoppt, die den verzagten Schülern plötzlich merkwürdige Börsenanweisungen gibt, nur weil das Sicherheitsfeature von Splatoon 2 nicht implementiert ist und Hacker aus dieser Region (wo sind die auch nicht in letzter Zeit) ihr Unwesen treiben.

Was man natürlich schon gerne wissen würde, ist die Art der Auseinandersetzung, wenn Schüler nicht 100prozentig fokussiert sind. Vermutlich dröhnt der Sound eines Rohrstocks durch den Audiokanal, das sollte schon genügen, um alle wieder einzunorden (was den Blick in diesem Land nach Belgien richtet, aber das tut jetzt nicht wirklich etwas zur Sache). Vielleicht wäre es ja auch möglich, das Ganze zu gamifizieren. Schüler bekommen am Ende einer Stunde entsprechend ihrer Aufmerksamkeit Fokuspunkte.

Und bei 100 Fokuspunkten darf man dann einmal an der Börse traden … Moment mal, hat hier eben ein russischer Hacker diese Zeilen …



Diese News stammen aus unserem Partnernetzwerk : https://www.heise.de/tp/news/Isch-seh-Disch-3727036.html

Originalbild mit freundlicher Genehmigung von heise.de

Ersten Kommentar schreiben

Antworten