Kaufberatung: Aktuelle Prozessoren für Desktop-PCs


Mit den starken Ryzen-Chips hat AMD den Prozessormarkt belebt. Intel hat seit Juni drei neue Prozessorfamilien auf den Markt gebracht. Wer jetzt einen PC kaufen oder selbst zusammenschrauben will, dem fällt die Auswahl schwer: Welcher Prozessor passt zu meiner Software, welcher lässt möglichst viel Budget übrig für viel RAM, eine schnelle SSD oder eine kräftige Grafikkarte?

In diesem Artikel finden Sie auch einen vergleichenden Überblick der vier PC-Bauvorschläge, deren Details wir in den folgenden Artikeln beschreiben. Ab S. 88 folgen Tipps für jene, die ihren PC selbst zusammenschrauben möchten.

AMD oder Intel?

Falls Sie für den Prozessor rund 200 Euro locker machen wollen, fällt die Auswahl leicht: Der AMD Ryzen 5 1600 und der 10 Prozent teurere Intel Core i5-8400 mit jeweils sechs Kernen eignen sich gut für ein breites Spektrum von Anwendungen. Doch je nach Software rechnen sie unterschiedlich schnell. Schaut man sich diese Unterschiede genau an, dann hilft das bei der Entscheidung, ob man lieber mehr oder weniger Geld ausgibt.

Der Core i5-8400 verarbeitet Software, die nur einen einzigen CPU-Kern nutzen kann, um 17 Prozent schneller als der Ryzen 5 1600. Das zeigt der Singlethread-Wert des Rendering-Benchmarks Cinebench R15. Wenn die jeweilige Software Multithreading optimal nutzt, liegt wiederum der Ryzen 5 1600 um 19 Prozent vorne. Anders als beim Core i5-8400 kann jeder Ryzen-Kern zwei Threads quasi parallel verarbeiten. Abermals wendet sich das Bild, wenn Software die AVX-Einheiten des Core i5 voll ausreizt: Dann geht er auch bei Multithreading in Führung. Doch auf Desktop-PCs läuft sehr selten Software mit AVX-Code; zu den Ausnahmen gehört das Primzahl-Suchprogramm Prime95, welches wir deshalb für Messungen bei CPU-Volllast verwenden.

Was die individuell verwendete Software kann, bekommt man leider nicht so leicht heraus. Einerseits nutzt nur ein kleiner Teil der Millionen von Windows- und Linux-Programmen Multithreading optimal. Doch viele Anwendungen benötigen nicht viel Rechenleistung oder es bremsen andere Faktoren, etwa Festplatte oder Grafikkarte. Für Spiele sind beide Prozessoren jedenfalls schnell genug, weil bisher erst sehr wenige Gaming-Titel spürbar schneller laufen, wenn mehr als sechs Kerne bereitstehen. Grob geschätzt ergeben sich deshalb erst dann – und nur in wenigen Spielen – Vorteile mit einem Ryzen 7 oder Core i7, wenn man auch mehr als 500 Euro in die Grafikkarte steckt.

Nicht jedes Multithreading-Programm profitiert von beliebig vielen Kernen. Rendering-Programme wie Maxon Cinema 4D – davon ist der Cinebench abgeleitet – oder Blender nutzen sehr viele Kerne, beim Video-Transcoder Handbrake hingegen flacht die Geschwindigkeitszunahme jenseits von etwa 10 Kernen deutlich ab. Die Infografik auf S. 72 zeigt im Vergleich der ebenfalls ähnlich teuren Prozessoren Ryzen 7 1700 und Core i5-8600K, dass letzterer dank seiner höheren Singlethread-Leistung auch bei sechs Threads noch vorne liegt. Der Ryzen 7 überholt erst, wenn die Software mehr als acht Threads nutzt.

Bei Multithreading-Software liefert ein Ryzen durchweg mehr Cinebench-Punkte pro Euro als ein Core i. Es gibt aber eine bemerkenswerte Ausnahme im Intel-Lager, den Celeron G3930. Er ist mit 35 Euro dermaßen billig, dass er unschlagbare 6,7 Cinebench-Punkte pro Euro schafft. Absolut gesehen ist er mit 234 Punkten aber keine Rakete und eignet sich nicht für einen Gaming-PC, weil viele aktuelle Spiele mindestens einen Quad-Core-Prozessor verlangen. …



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