Klartext: Et DUH, Brute? | heise Autos


Meinung
Clemens Gleich

Bevor wir die metaphorische Peitsche auf die heutige Sau im Dorf senken, möchte ich allen Lesern danken, die Input zur Kolumne der vergangenen Woche gegeben haben. Es waren großartige Anregungen dabei und die Diskussion fand in durchweg höflichem Tonfall statt. It is appreciated. Aber jetzt zur Sau, die wieder einmal von Herrn Resch (DUH) losgelassen wurde: Ausgerechnet der Musterschüler BMW hat uns alle betrogen.

Da die in München konstruierten Autos bisher stets recht gut dastanden, wenn man sie untersuchte, glaubte man auch den Aussagen des Managements, das schwor, alles gehe mit rechten Dinge zu in Sachen Dieselabgas. Dazu kommt eine Unternehmenskultur, in der Ingenieurseinwände ernster angehört werden als anderswo vielleicht üblich. Wenn man aber die aktuellen Nachrichten anschaut, entsteht schnell der Eindruck, das alles sei nur Fassade gewesen und BMW so betrügerisch wie alle.

Unabhängigkeitserklärung

Die DUH piekt immer mal wieder dahin, wo es wehtut. Das finde ich gut. Sie ist jedoch kein Verein, der das aus Nächstenliebe macht oder der auch nur besonders auf ethische Grundsätze achten würde. Die DUH verdient ihr Geld mit Abmahnungen und Zuwendungen, auch aus der Autoindustrie. Wir können zum Beispiel recht sicher sein, dass keine Toyota-Dieselmotoren als Sau losgelassen werden, weil Toyota die DUH jährlich mit einem „mittleren bis höheren fünfstelligen Betrag“ unterstützt. Das habe laut DUH keinen Einfluss auf die Arbeit. Niemand ist unabhängig von seiner Existenzugrundlage. Man zeige daher Verständnis, wenn ich bei jeder DUH-Sau beide Seiten zeige. Wer Herrn Resch nur Beifall klatscht, tut der Umwelt keinen Gefallen. Auf ihn muss man ebenso achten wie auf den Rest der Industrie.

Wir können nicht in Jürgen Reschs Schädel gucken, aber von außen schaut es so aus, als lasse er jedes Mal dann eine neue Sau los, wenn er das Gefühl hat, die schwelenden Kohlen des Dieselthemas mit der Buchstabenfolge „DUH“ in den Artikeln bräuchten mal wieder einen schönen Schluck Heizöl. Das Geschrei, das diese Sau produzieren wird (denn darum geht es), lässt sich recht gut planen, aus zwei Gründen. Der Dieselpendler fühlt sich erstens längst von Staat wie Herstellern gleichermaßen betrogen, wird also für die Klicks sorgen, die alle Medien dazu zwingen, das Thema aufzugreifen. Und zweitens kann man sicher sein, dass man die Zulassungs-Messwerte der meisten Motoren reißen kann, wenn man nur will. Das Verfahren ist bekannt, oft genug durchexerziert worden und jetzt ist einfach mal BMW dran. Wie sehr treffen die Vorwürfe dort?

Im Konkurrenzumfeld noch recht gut

Die DUH hat einen BMW 320d Touring (EZ 2016) mit Achtgang-Automatik untersucht. Der Wagen gehört zu einer Reihe von fünf untersuchten BMW-Fahrzeugen und diente als Anlass für einen breitenwirksamen Bericht im Fernsehmagazin Wiso. Beim Versuch, den NEFZ auf der Straße nachzubilden, sollen die Messungen für Stickstoffdioxid im Schnitt bei 182 mg/km gelegen haben, bei „NEFZ plus zehn Prozent“ im Schnitt bei 470 mg/km. Ohne die restlichen Randbedingungen zu kennen sind selbst diese als Skandal verkauften Werte im Konkurrenzumfeld noch recht gut. Dort sind bei vergleichbaren Tests vierstellige Werte durchaus an der Tagesordnung.

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