Mercedes GLE Coupé 400 vs. Jaguar F-Pace 30d


Fahrberichte
Clemens Gleich

Als der SUV-Boom begann, lautete der sozial akzeptierte Ersatz für „ich will das, gerade WEIL es so hirnrissig ist“ noch „Stauraum, Anhängelast, Sicherheit“. Deshalb schüttelte die Fachpresse gesammelt den Kopf, als BMW mit dem X6 daherkam, der zwei Drittel dieser Tugenden beschnitt, um einen rein gestalterischen Buggy-Gedanken umzusetzen. Das in der Presse zunächst geschmähte SUV Coupé, es fand so viele Liebhaber, dass eigentlich nur erstaunlich ist, wie lange es gedauert hat, bis sich Nachahmer fanden. Wir haben uns das optisch sehr gelungene GLE Coupé ausgeliehen und es mit einem Jaguar F-Pace verglichen, dessen Gestaltung ohne den Einfluss des X6 vielleicht auch nicht so gut gelungen wäre.

Von der sichtbaren Qualität her

Im Inneren des GLE Coupé steckt noch Daimlers Innenraumkonzept mit dem aus der Mitte aufragenden Bildschirm. Das war schon ganz okay, im Vergleich zum aktuellen, sehr gelungenen Boots-Cockpit wie etwa in der E-Klasse sieht man ihm die Jahre allerdings an. Es wird sicherlich auch ein paar Kunden geben, denen diese Interieur-Generation besser gefällt, ich hätte gern die neue ohne den hässlich wie ein Egel auf dem Leder sitzenden Notbremswarner oder die scharf endenden Lüftungskappen. Pingelig? Sicherlich. Beide Fahrzeuge kosten wie getestet über 91.000 Euro, mit nur 400 Euro Unterschied. Dafür wird der Kunde schon einige Ansprüche anmelden. Am besten beim Händler im Vergleich zur E-Klasse ansehen und dann entscheiden, ob man vielleicht doch auf die nächste Generation auch im GLE warten möchte.

Nachdem Kollege Martin den Innenraum des F-Pace in seinem Test in Sachen Verarbeitung stark kritisierte, schaute ich erstens genauer hin und erwartete zweitens eine kleine Katastrophe. Dem war aber nicht so. Das unschöne Plastik des Handschuhfaches fiel mir zwar auch auf, zusammen mit Passungenauigkeiten, allerdings deutlich geringeren als bei Martins Testwagen. Es kommt also stark darauf an, wie der Innenraum ausgebaut wurde. Der jetzige F-Pace wirkt mit seinem zweifarbigen Lederbezug sehr gut. Tatsächlich würde ich bei den teuren Innenraumausstattungen wirklich nicht sagen, dass Mercedes das deutlich besser kann. Sie können es ein bisschen besser. Aber kaufentscheidend sieht anders aus.

Das führt sich außen fort. Warum verwendet Mercedes zum Beispiel an der C-Säule eine zweiteilige Zierspange, die umständlich und unschön mit dem Gummi verheiratet werden muss, wo doch alle Anderen einteilige Zierspangen verwenden, die dann eben entweder im Ganzen schief sitzen oder eben im Ganzen passen? Die Kofferraumklappe sitzt am Jag nicht bündig mit der Karosserie. Das tut sie am GLE aber leider auch nicht, nur dass hier auf beiden Seiten symmetrisch dieselbe Absenkung im oberen Bereich vorliegt. Auch hier also kann es Mercedes besser, aber nicht viel besser. Was mich und den Mechaniker freut, sind Dinge wie die ABS-Pumpe, die vorne mit sauber geführten Stahlröhrchen bestückt unter der Motorhaube sitzt. Das weckt Vertrauen in die konzeptbedingt häufig benutzten Servobremsen (dazu gleich mehr).

Vom Fahren her

Die Stärke des GLE ist sein enormer Komfort, vor allem mit dem im Testwagen verbauten Luftfahrwerk. Mercedes ließ dem Auto außerdem die Standardfelgen, auf denen sehr viel Gummi liegt. Zu diesen beiden Punkten gesellt sich die ausgezeichnete Aerodynamik, mit der sich viele neue Benz-Autos hervortun. Im Zusammenspiel trägt dich dieses Auto über die Straße wie eine Sänfte. Man kann das Fahrwerk wie anderswo verhärten, um sich schneller zu fühlen. Von „Sport+“ rate ich dennoch ab, es macht das Auto mit nur einem Fahrer beladen auf unebenen Strecken wieder langsamer, weil die Räder auf der zu harten Dämpfung dann das Springen anfangen.

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