Fake News: Die scharfen Krallen des ukrainischen Bloggers Anatoli Scharij



Aus der Enthüllungssendung des Poroschenko-Kanals.

Der ukrainische 5. Kanalein Fernsehsender des ukrainischen Präsidentenversuchte den ukrainischen Blogger Anatoli Scharij als bezahlten Kreml-Propagandisten zu überführen. Das Vorhaben scheiterte

Am Montag, den 29. Mai enthüllte der ukrainische Fernsehsender 5. Kanal in seinem Abend-ProgrammBeim Teeschwere Vorwürfe gegen den oppositionellen Blogger Anatoli Scharij. In seinem YouTube-Kanal, der über eine Million Abonnenten hat, veröffentlicht Scharij süffisante Kommentare über die Politik Kiews und das ukrainische Fernsehen. Fast jedes Scharij-Video erreicht Klickzahlen von mehreren Hunderttausend.

Nun war im 5. Kanal, dessen Kurator der Informationsminister Yuriy Stet ist bzw. war,also Scharij dran. Der Fernsehsender gehört dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko. Moderator des ProgrammsBeim Teeist Roman Tschaika. In der Sendung vom 29. Mai 2017 enthüllte Tschaika Materialien, nach denen der Blogger Scharij fürPropagandadiensteangeblich 16.000 Dollar vom Kreml bekam. Außerdem wird behauptet, Scharij verdiene Geld bei der polnischen Firma Gremi Personal, die Ukrainern angeblich nichtlegale Dokumente für Arbeitsstellen in Polen beschafft.

Schließlich blendete der 5. Kanal auch noch 30 Sekunden lang die angebliche Wohnadresse und Telefonnummer von Scharij im polnischen Gdynia ein, schön lange für alle, die mitschreiben wollten.

Der Moderator Roman Tschaika und ein eingeladener Gast, der Journalist Bogdan Butkewitsch, triumphierten und amüsierten sich köstlich. Endlich war der Blogger Anatoli Scharij gestellt und alsKreml-Agentüberführt. Man müsse Scharij den ukrainischen militärischen Geheimdienst auf den Hals schicken, meinten Butkewitsch und Tschaika.

Bei den vom Moderator Tschaika präsentiertenBeweisenhandelte es sich um verschiedene Informationen, die dem Präsidenten-Kanal von einem Informanten zugespielt worden waren. In der Sendung des 5. Kanal wurde ein handgeschriebener Zettel eingeblendet, auf dem Zahlungen an sechs Personen mit Kurznamen aufgelistet waren. Neben dem NamenScharikstand der Betrag von 16.000 Dollar.

Für Moderator Tschaika war klar, dass es sich beiScharikum den oppositionellen Blogger Anatoli Scharij handelt, der seit 2012 an einem unbekannten Ort in der EU lebt.

Neben einem gewissenSchariktauchten in der Geld-Empfänger-Liste noch fünf andere Personen auf, die zum Teil noch größere Beträge erhalten haben sollen. Doch merkwürdig: Auf der Liste, die da ganz groß vom 5. Kanal eingeblendet wurde, steht als Endsumme 115.000. Doch wenn man die sechs Beträge zusammenrechnete, kommt man auf 107.000 Dollar. War das denEnthüllernvom 5. Kanal nicht aufgefallen? Nein, es war ihnen offenbar nicht aufgefallen. Oder den Journalisten des 5. Kanals war es egal. Hauptsache, sie konnten den Blogger Scharij an den Pranger stellen.



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Originalbild mit freundlicher Genehmigung von heise.de

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