Nebenwirkungen | c’t Magazin


Die dunkle, kalte Jahreszeit begann für mich am 29. Oktober um 3:00 Uhr. Da sprang der virtuelle Stundenzeiger im Hause Schnurer um eine Stunde zurück – mit reichlich Nebenwirkungen: Als bekennender Nerd habe ich mein Haus nämlich mit einer HomeMatic Heimautomationszentrale – kurz CCU2 – versehen. Die steuert nicht nur Heizung und Rollos, sondern sorgt auch für einen angenehm temperierten Wintergarten: Überschüssige Wärme entweicht durchs Dachfenster, Regen bleibt draußen. Ganz nebenbei sind auch noch einige Lichtspielereien programmiert.

Nach anfänglichem Widerstand schätzen auch meine Mitbewohner den gewonnenen Komfort. Ich gehe da einen Schritt weiter: Ich liebe meine vielseitige und lernfähige HomeMatic.

Tja, und am 29. stürzte die CCU2 dann ab, weil ihr Hersteller bei einem der letzten Updates nicht bedacht hatte, dass es nicht nur Tage mit 24, sondern auch solche mit 23 und 25 Stunden gibt. Es folgten hektische Rettungsversuche: Neustarts, ein Firmware-Downgrade – alles vergebens. Als letzten Ausweg entschied ich mich für einen Total-Reset. Dabei vergisst die CCU2 alles; Sensoren sind neu anzulernen, alle Programme neu zu erstellen.

Der schlaue Heimautomatisierer hält für solche Fälle ein Backup bereit. Meins ließ sich aber nicht einspielen – möglicherweise hatte ich den anlageninternen Sicherheitsschlüssel irgendwann mal geändert, ohne das zu notieren. Selbst Schuld, kein Mitleid, dachte ich mir und begann, Schritt für Schritt die knapp 40 Aktoren und Sensoren neu anzulernen.

Dazu musste jeder erst mal in den Auslieferungszustand versetzt werden. Um eine wirklich sichere Übertragung zu garantieren, hatte ich nämlich für alle Funk-Komponenten verschlüsselte Übertragung aktiviert. Damit verweigern Aktoren und Sensoren auch das Anlernen an fremden Systemen – ein enormer Sicherheitsgewinn.

Zwei Sensortypen, die magnetischen Fensterkontakte und die wirklich teuren Fensterdrehgriff-Sensoren waren aber nicht zu resetten. Inzwischen habe ich gelernt, nur Hersteller eQ-3 kann sie wieder in einen anlernbaren Zustand versetzen. Das hätte ich gern im Handbuch gelesen, aber schön, dass eQ-3 sich bereit erklärt hat, die eingeschickten Sensoren zu reaktivieren.

Nach drei Tagen lief meine Heimautomationsanlage wieder. Etwas bitter stößt mir allerdings auf, dass ich laut eQ-3 einfach nur einen Tag hätte warten müssen und die CCU2 hätte sich – dem 24-Stunden-Tag sei Dank – selbst geheilt. Blöd gelaufen, doch einen Tag lang tatenlos im abgestürzten Haus zu sitzen, das hätte der Nerd in mir nicht ausgehalten.

Georg SchnurerGeorg Schnurer



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