Präsident Macron legt sich mit Sputnik und RT an



Putin und Macron in Versailles. Screenshot, YouTube.

Das Arbeitstreffen mit Putin im Palast des Sonnenkönigs: Wo beginnen Fake News und Propaganda?

Das perfekt inszenierte Arbeitstreffen zwischen Macron und Putin in Versailles hat ein interessantes Nachspiel: RT und Sputnik bezichtigen ihrerseits Macron der Lüge. Bei der gemeinsamen Pressekonferenz (ab Minute 30:42) hatte Macron den beiden russischen Medien vorgeworfen, dass sie „schwere Unwahrheiten“ über ihn während seiner Wahlkampagne verbreitet hätten und „nicht journalistisch arbeiten“, sondern es auf „Einfluss und Propaganda“ abgesehen haben.

Macron antwortete damit auf eine Frage der Chefin von RT France, Xenia Fedorova, die von ihm erfahren wollte, weshalb er den Journalisten von RT und Sputnik den Zugang zum Hauptquartier seiner Bewegung „En Marche“ verwehrt hatte. Sie waren von Besuchen von wichtigen En-Marche- Wahlkampfveranstaltungen vor der Stichwahl ausgeschlossen.

Der Streit hat interessante Dimensionen. Er reiht sich ein in die Debatten darüber, welche Kritik akzeptabel ist, ob man Kritik aussperren darf, wann die Grenze zwischen Kritik und Denunziation überschritten wird, welche Methoden erlaubt sind und wer die Grenzen festsetzt, wer die Deutungshoheit hat? Auch Macron muss sich fragen lassen, welche Methoden erlaubt sind.

RT und Sputnik haben ein gewichtiges Argument auf ihrer Seite, wie selbst die Macron-Begeisterten des französischen L’Obs einräumen: Laut RT hat das Team um Macron niemals Beweise für ihre Anklagen vorgelegt.

Wie so oft, wenn es um Vorwürfe der Einflussnahme auf Wahlen im Westen geht, die sich an russische Akteure richten, ist die Spurensuche im Detail sehr schwierig, wie sich etwa bei den Macron-Leaks zeigte. Man kann sich in der Suche nach Urhebern der Leaks und dem Wahrheitsgehalt der einzelnen Dokumente verlieren. Dass die Papiere im Fall der Macron-Leaks offensichtlich zu einem größeren Teil echt waren, dokumentierte ein Bericht von Médiapart zur Finanzierung der Macron-Kampagne. Die Urheber der Leaks sind der Öffentlichkeit weiterhin unbekannt.

Die Vorwürfe, die das Wahlkampfteam von Macron gegen Sputnik und RT erheben, beziehen sich im Großen auf zwei Themen, die der Kampagne schaden hätten können: einmal, dass Macron ein Agent des „US-Finanzmärkte“ mit schwulem Doppelleben sei, zum anderen, dass er ein Steuerhinterzieher sei, der Geldsummen offshore, auf den Bahamas, vor den französischen Fiskus versteckt habe.

Zur ersten Unterstellung gibt es einen Artikel auf Sputnik, von Anfang Februar 2017. Dort wird wiedergegeben, was der Abgeordnete Nicolas Dhuicq von den französischen Republikanern gegen Macron vorbringt. Das ist zwei Tage später auch beim französischen Sender Europe 1 nachzulesen. Schon im Titel heißt es dort: „Für Abgeordneten Dhuicq wird Emmanuel Macron wird von einer sehr reichen schwulen Lobby unterstützt.“

Grundlage bildet der Artikel von Sputnik, der zwei Tage zuvor erschienen war. Der dünne Boden des Gerüchts wird herausgestellt. Dhuicq gründe seine Behauptung einzig darauf, dass der reiche Geschäftsmann Pierre Bergé, unter anderem Miteigentümer von Le Monde, der Macron unterstützt, homosexuell ist.

Mehr Grundlagen für die rufschädigende Unterstellung einer „Gay Lobby“ finden sich nicht in den Äußerungen von Dhuicq. Es ist ein absichtliches, infames Anschwärzen des politischen Gegners. Nicolas Dhuicq sei bekannt für seine „Polemiken“ gegen Homosexuelle, so Europe 1.

In der Überschrift des Sputnik-Artikels heißt es, dass Macron ein „US-Agent sein könnte(!)“ – also im Konjunktiv -, wie auch ein „Lobbyist für die Interessen von Banken“. Im Artikel selbst wird Rothschild genannt und auf „kontroverse Details“ im persönlichen wie beruflichen Leben aufmerksam gemacht.

Nach einem Zitat von Dhuicq, in dem ausdrücklich und dick gedruckt davon die Rede ist, dass Macron eine „sehr reiche schwule Lobby“ hinter sich habe und dass dies „schon alles sage“, erwähnt der Sputnik-Bericht, dass Macron dem hartnäckigen Gerücht über seine Homosexualität und sein Doppelleben öffentliche Aussagen gegenübergestellt habe, die dies negieren.

Man kann sich die Frage stellen, welche Haltung der Sputnik-Redaktion dahintersteht solchen auf Dreckwerfen ausgerichteten Aussagen eine öffentliche Prominenz zu verleihen. Naiv wäre es anzunehmen, dies würde aus dem journalistischen Ethos heraus geschehen, möglichst viele Standpunkte und Meinungen darzustellen.

Dass Macron Unterstützer mit sehr viel Kapital hat, war bekannt, Dhuicq liefert hier kein neues Erkenntnismaterial, sondern nur Gift für einen intriganten Blick auf Macron. Den Redakteuren von Sputnik dürfte klar gewesen sein, welches Publikum sie damit bedienen.



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