Privatisierung nach Noten | Telepolis



Bild: Bernd Schröder

Wie die Weltbank den Umbau der Landwirtschaft in Entwicklungsländern vorantreibt

Unter Aufsicht der Weltbank durchleben die Landwirtschaften vieler Entwicklungsländer einen tiefgreifenden Wandel – weg von der traditionellen Bewirtschaftung von Kleinflächen, hin zur Etablierung großer Agrarindustrien, die vor Ort eine Reihe von Problemen entstehen lassen. Die Regierungen der betroffenen Länder werden unter anderem dazu gebracht, die Herstellung und Vermarktung von industriellem Saatgut zu erleichtern. Umstritten sind ebenso die Eigenheiten des Pestizideinsatzes vor Ort, die ein kürzlich erschienener UN-Bericht beleuchtet (Das Pestizid-Nord-Süd-Dilemma).

„Effizienzsteigernde“ Landtransfers, also der Verkauf oder das Leasing landwirtschaftlicher Nutzflächen an die Agrarindustrie, drängen Kleinbauern aus der Landwirtschaft. Nach dem Willen der Weltbank sollen sie das als Chance begreifen, eine Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft anzunehmen und so einen Zugang zu besseren Lebensgrundlagen zu bekommen. Doch in der Realität verringern die Preisgabe des Ackerlands und der landwirtschaftlichen Kleinbetriebe kaum die Armut vor Ort. Die erzwungene ländliche Migration vieler ehemaliger Kleinbauern in die übervölkerten und mit Arbeitslosigkeit kämpfenden Städte führt meist nicht zu einem besseres Leben.

Die Weltbank baut unterdessen die Finanzierung ressourcenintensiver Agrarunternehmen weiter aus. In den vergangenen Jahrzehnten hat sie über die International Finance Corporation (IFC) die Agrarinvestitionen massiv hochgefahren. Die Aufgabe der IFC als Teil der Weltbankgruppe: die Förderung des Privatsektors in Entwicklungs- und Schwellenländern. In den frühen 2000er Jahren wies das IFC-Agrar-Portfolio noch weniger als 500 Millionen US-Dollar pro Jahr aus. 2016 waren es bereits 5.6 Milliarden US-Dollar.

Um Staaten in ihrer Leistungsfähigkeit bei der Erleichterung des Zugangs privater Unternehmen in ihre jeweiligen Landwirtschaften bewerten zu können, hat die Weltbank im Jahre 2013 das „Enabling the Business of Agriculture“ (EBA)-Projekt ins Leben gerufen – mit finanzieller Unterstützung aus den USA, Großbritannien, Dänemark, Holland sowie der Bill and Melinda Gates Foundation. Dieses Projekt war zuvor von der G8 angeregt worden. Der „Doing Business in Agriculture Index“ soll die New Alliance for Food Security and Nutrition unterstützen, eine Allianz, die zur Gewährleistung der Ernährung in Afrika vor allem Privatkapital mobilisieren will und schon seit geraumer Zeit in der Kritik steht.

Im Februar dieses Jahres präsentierte die Weltbank-Gruppe den EBA-Report 2017, den dritten in einer Reihe von Jahresberichten. Der überwiegende Schwerpunkt des EBA-Projektes liegt in der Identifizierung und Überwachung von Vorschriften, die das Funktionieren der Landwirtschaft und der Agrarmärkte beeinflussen. Das Projekt ist unter dem Einfluss der weltgrößten Agrarunternehmen entstanden; Bauernvertreter oder Kooperativen kamen während der Konzeption nicht zu Wort.

Im EBA-Report wird die Landwirtschaft von 62 Staaten aus aller Welt beurteilt, mehrheitlich Entwicklungs- und Schwellenländer. Bild: Weltbank


Der eingangs des Jahres erschienene Oakland Institute-Bericht „Down On the Seed, the World Bank Enables Corporate Takeover of Seeds“ benennt die Auswirkungen des Projekts auf die Landwirtschaften der davon betroffenen Länder anhand von Beispielen und zeigt mögliche Alternativen auf.



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