Rolls-Royce Phantom VIII | heise Autos


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Stefan Grundhoff

Es ist eine Art Interregnum, in dem sich die Phantom-Baureihe von Rolls Royce gerade befindet: Für die siebte Generation des Oberschicht-Luxusgleiters schloss sich 2016 das Manufakturtor zum letzten Mal und erst Ende Juli wird der Nachfolger Phantom VIII offiziell vorgestellt.

Angesichts der anvisierten Kundschaft wirkt es ausgesprochen kleinlich, dass BMW nun sogar bei seiner Potentaten-Marke die Vorankündigungs-Salamitaktik fährt, bei der die Wahrheit über ein neues Modell scheibchenweise ans Licht gezogen wird. Bevor Rolls Royce von einem Hersteller zu einer Marke in einem Großkonzern geworden war, hätte man so etwas als weit unterhalb seiner Würde empfunden. Andererseits ist es auch kein Wunder, dass ein deutscher Hersteller, der einst mit der Kopie eines britischen Kleinstwagens groß geworden ist, eine so große Marke führt – Verzeihung – wie eine schwäbische Hausfrau.

Die bestens betuchten Kunden müssen sich sogar noch ein paar Monate länger in Geduld üben. Erst im kommenden Frühjahr rollt der Phantom der Generation VIII zu den Händlern und schließlich in die mit Beeten umsäumten Auffahrten. Der Charakter des Phantom dürfte sich kaum ändern und auch das Design wird seinen Charakter behalten. Im Vergleich zum Vorgänger (5,83 und 6,10 Meter lang) soll die kommende Phantom-Generation ein paar Zentimeter kürzer geworden sein, jedoch im Innenraum an Platz und insbesondere Komfort gewonnen haben. Das Komfortniveau soll insbesondere durch eine weiterentwickelte Luftfederung und zusätzliche Dämmmaterialien weiter steigen.

Etwas graziler

Das Gesicht wird wieder von einem mächtigen Kühlergrill mit senkrechten Alustreben sowie adaptiven LED-Scheinwerfern dominiert. Dioden leuchten auch am Heck, das sich wie beim Vorgänger leicht verjüngen wird. Neu ist die über die Heckscheibe leicht nach hinten ausschwingende Dachlinie, die den mächtigen Phantom VIII etwas graziler erscheinen lassen soll. Das lässt aufhorchen bei den Dimensionen des Phantom auf Kleinlaster-Niveau. Unverändert werden die Fondtüren gegenläufig öffnen.

Die neuesten Fahrerassistenzsysteme stammen aus den 5er und 7er-BMW, davon profitiert in erster Linie der Angestellte hinter dem Volant. Der Kunde wird von dem Zugewinn an Komfort und Sicherheit kaum etwas spüren. Die Passagiere können sich stattdessen an einem nahezu frei individualisierbaren Bereich im Armaturenbrett freuen. Hier passen sich oberhalb des Handschuhfachs zukünftig weit mehr als nur das Firmenwappen oder Intarsien einarbeiten.

Gesetzt ist der 6,7 Liter große V12-Turbo, der statt der bisherigen 460 über 600 PS leisten dürfte. Trotz des hohen Drehmoments wird vorerst kein Allradantrieb angeboten, auch an eine Hybridvariante denkt man (noch) nicht. Die kaum spürbaren Gangwechsel übernimmt die im Konzern bestens bewährte Achtgang-Wandlerautomatik von ZF. Zwei Radstände gibt es wie auch beim Vorgängermodell, jedoch bekommen die beiden Phantom-Derivate Coupé und Drophead Coupé keine Nachfolger. Im Vergleich zum bisherigen Modell wird der neue Rolls-Royce Phantom VIII nicht nur etwas kürzer, sondern insbesondere leichter.

Mit dem Ende der Fertigung des Phantom VII ging eine Ära zu Ende. Seit 2003 erfreuten sich die Schönen und Reichen an dem 2,5 Tonnen schweren Flaggschiff, das mit einer Länge von 5,84 Metern und einem Radstand von 3,57 Metern den Begriff Innenraum neu definiert. In der 6,09-Meter-Langversion liegen die beiden Achsen noch einmal 25 Zentimeter weiter auseinander.

„The Great Eight Phantoms”

Um die Einführung der achten Generation stilecht vorzubereiten, wird parallel zur Weltpremiere des neuen Modells in London eine Ausstellung mit den bisherigen acht Generationen aus 92 Jahren Geschichte unter dem Titel „The Great Eight Phantoms” eröffnet. Seit seiner Vorstellung 1925 wurde der Rolls-Royce Phantom immer wieder Zeuge bedeutender historischer Momente, in denen die Welt maßgeblich geprägt wurde. In ihm saßen Könige genauso wie Film-Bösewichte, die Beatles auf dem Weg zum Buckingham Palace oder die Staatsgäste Churchill und Eisenhower, bevor Feldmarschall Montgomery sie empfing. Bei einem prestigeträchtigen Event lassen sich Stars und Sternchen nur allzu gerne in einem Rolls-Royce Phantom vorfahren. Der älteste in Mayfair / London ausgestellte Rolls-Royce ist der Phantom I von Fred Astaire aus dem Jahr 1927 – eine Leihgabe des Petersen Museums in Los Angeles.



(Stefan Grundhoff) /

(fpi)

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