Test: Renault Mégane Grandtour TCe130


Fahrberichte
Martin Franz

Mit der Firma Renault verbinde ich gleich zwei herzliche Erinnerungen. Mitte der 1990er-Jahre stand bei meinen Eltern der Kauf eines neuen Autos an. Eine Hälfte, welche, möge verschwiegen sein, plädierte ganz ernsthaft für einen Fiat Punto in Urinstein-Metallic. Mit einem roten Renault 19 setzte sich die bessere Idee durch. Viele Jahre später begleitete mich ein solches Modell dann schließlich bis direkt vor das Standesamt. Die Marke ist mir also durchaus sympathisch, auch wenn die Testwagen der jüngeren Vergangenheit nicht alle einen „will-haben“-Effekt ausgelöst haben. Nach dem eher nicht so tollen Espace und dem gar nicht mal schlechten Talisman hatten wir nun einen Mégane Grandtour TCe130 mit Doppelkupplungsgetriebe in der Redaktion.

Zäher Antrieb

Im Laufe der vergangenen Jahre waren die Testwagen, die wir in der Redaktion hatten, oftmals eher durchschnittlich motorisiert. Ob nun VW Golf 1.2 TSI, Seat Leon 1.0 TSI oder auch Opel Astra 1.0: Autos mit einer Leistung zwischen rund 100 und 120 PS taugen vielleicht nicht dazu, bei engagierten Fahrern und solchen, die sich dafür halten, die Endorphin-Produktion anzukurbeln. Sie bieten aber im Alltag ausreichende Reserven, um locker im Verkehr mitzuschwimmen. Anders ausgedrückt: Man muss sie nicht ständig auswringen, um den Verkehr nicht zu behindern. Im Prinzip gilt das natürlich auch für den Renault Mégane TCe130 mit seinen 132 PS. Dennoch wirkte der Wagen seltsam gehemmt, was durch das Doppelkupplungsgetriebe etwas kaschiert wird. Doch die Fahrleistungen bestätigen den insgesamt zähen Eindruck: Für die Version mit Doppelkupplungsgetriebe verspricht Renault 11,7 Sekunden im Standardsprint, mit Schaltgetriebe sollen es 11 Sekunden sein. Zur Einordnung dessen ein paar Werte der Konkurrenz: Skoda Octavia 1.0 TSI DSG (115 PS) 10,2 Sekunden, VW Golf Variant 1.4 TSI DSG (125 PS) 9,5 Sekunden, Peugeot 308 1.2 PureTech EAT6 (130 PS) 9,5 Sekunden. Ein Seat Leon ST 1.4 TSI ACT mit DSG und 150 PS nimmt dem Renault in dieser praxisfernen Disziplin rund 3,5 Sekunden ab. Der R19 meiner Eltern brauchte mit seinen 73 PS laut Werk übrigens 12,3 Sekunden.

Entscheidender als die Sprintwerte ist im Alltag natürlich die Elastizität der Maschine. Der betagte 73-PS-Motor im R19 erreichte sein maximales Drehmoment von 127 Nm bei 2750/min. Der Wagen fuhr sich damit ganz angenehm, sofern man nicht den Versuch unternahm, ihn mit hohen Drehzahlen zu quälen. Dann wurde er, wie mein alter Mondeo, zwar lauter, aber nicht unbedingt schneller. Die heutigen Turbomotoren bieten potentiell über einen weiten Drehzahlbereich viel Drehmoment, sollten also wesentlich elastischer sein.

Im aktuellen Testwagen blieben hier Wünsche offen, auch wenn das DKG geschickt schaltet. Die Maschine insgesamt wirkte insgesamt etwas lustlos. Die Antriebseinheit befriedigt also keine gehobenen Ansprüche, zumal sie bei den Themen Geräuschkomfort und Spritverbrauch keine Glanzpunkte zu setzen vermag. Die kleine Maschine ist zwar nicht aufdringlich laut, doch bei 100 km/h dreht sie im letzten Gang schon mit 2200/min, was zu vernehmen ist. Dazu kamen im Testwagen ab etwa 100 km/h markante Windgeräusche aus dem Bereich der A-Säule und ein bei niedrigem Tempo ein deutlich hörbares Pfeifen von der Spritpumpe.

Tanken erschwert

Es liegt in der Natur eines Tests, dass Testwagen häufiger an der Tankstelle sind als normale Autos. Modelle, die wir hier in der Redaktion haben, werden in der Regel nach spätestens 200 km wieder aufgefüllt, um aus möglichst vielen Betankungen einen Schnitt ziehen zu können. Dem Renault Mégane verdanke ich an dieser Stelle ein Déjà-vu. Nach dem Kauf meines dritten Autos musste ich umgehend an die Tankstelle. Der Tankdeckel musste mit etwas Kraft aufgedreht werden, was ich nicht wusste, ein hilfsbereiter Tankwart aber schon. Im Mégane konnte mir dagegen keiner helfen: Keine Taste, kein Zughebel und auch kein Druck auf den Deckel gab die Öffnung frei. Die Bedienungsanleitung half auch nicht weiter. Schließlich fiel mir auf, dass der Tankdeckel im Testwagen extrem schief saß. Mit etwas Probieren fand ich schließlich doch noch den richtigen Druckpunkt und ich konnte tanken. Im Schnitt mussten 6,4 Liter/100 km im überwiegend über Landstraßen zurückgelegten Test nachgefüllt werden, minimal waren es 5,9. Angesichts des lauen Temperaments ist das nur ein durchschnittlicher Wert.

Ordentlich verarbeitet

In anderen Bereichen schlägt sich der Mégane besser. Das Platzangebot, das Renault auf 4,63 Meter Gesamtlänge untergebracht hat, ist gut, die Isofix-Haken zum Befestigen von Kindersitzen sind einfach zugänglich – leider bis heute keine Selbstverständlichkeit. Die Sitze, im Testwagen mit angenehmer Massagefunktion, stützen an den richtigen Stellen und sind kein Vergleich mehr mit den knautschig-weichen Sesseln von einst. Die Kopfstützen reichen weit nach oben und arretieren sicher in der Höhe. Warum Renault allerdings eine Neigungsverstellung einbaut, die schon bei geringem Druck nachgibt, haben wir uns schon in Talisman und Espace gefragt. Die Sitze selbst sind in einem ausreichend weiten Bereich einstellbar, wobei der Hebel der Höhenverstellung an der Sitzverkleidung schliff. Weitere kleine Schnitzer leistet sich der Mégane nur am Dachhimmel, an dem einige Verkleidungen nicht sauber eingepasst waren. Der flache Schlüssel in der Größe einer Kreditkarte machte keinen sonderlich stabilen Eindruck. Etwas mehr Liebe zum Detail hätten wir uns noch beim Lenkrad gewünscht, dessen Heizdrähte sicht- und fühlbar sind.

Dennoch: Verglichen mit früheren Zeiten ist dieser Renault sorgsam zusammengesetzt. Und auch den Vergleich zu Konkurrenten steht der Mégane nicht schlecht da. Er mag nicht den oberflächlichen Glanz einiger Volkswagenmodelle haben, steckt aber beispielsweise den Ford Focus locker in die Tasche. Der Testwagen vermittelte dabei den Eindruck, das über eine lange Zeit so stabil halten zu können, was früher keine Stärke der Franzosen war.

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