Trump schickt eine Armada mit drei Flugzeugträgern nach Nordkorea



Gern freute sich Kim Jong-un, der Lust an Kriegsspielen zu haben scheint.

Nordkorea verkündet hingegen den erfolgreichen Test eines neuen Luftabwehrsystems

Nordkorea bleibt weiter bei der Strategie der Provokationen bzw. der Demonstration seiner Raketentechnik. Am Sonntag berichteten die Staatsmedien, dass Kim Jong-un einem Testabschuss eines verbesserten Luftabwehrsystems mit Präzisionsraketen beigewohnt habe. Da der Test offenbar ordnungsgemäß erfolgreich gewesen war, habe er sogleich eine Massenproduktion und die Installation des Waffensystems im ganzen Land „wie Wälder“ angeordnet, mit dem nun angeblich besser Ziele erfasst und verfolgt werden können.

Kim Jong-un lässt sich aber auch ernster ablichten. Wichtigste Eigenschaft ist, dass er mit seiner Anwesenheit die Aktion adelt.


Bei seiner drohenden Waffenschau trifft Nordkorea auf die neue Trump-Regierung, die offenbar mithalten will und mit einer Offensive droht. Trump hatte bereits zu Beginn der Krise seine „Armada“ Richtung Nordkorea geschickt, allerdings dauerte es eine ganze Weile, bis der Flugzeugträger Carl Vinson mit seinem Geschwader tatsächlich in Japan eintraf, nachdem man erst einmal in die andere Richtung gefahren war.

Inzwischen hat das Pentagon mit dem Flugzeugträger USS Ronald Reagan, der allerdings bereits in Japan zur Überholung gewesen war, die „Armada“ weiter aufgerüstet. Jetzt wurde bekannt, dass mit dem Flugzeugträger USS Nimitz die Armada noch verstärkt wird – zumindest vorübergehend, denn Nimitz soll im Prinzip Carl Vinson ablösen. Aber vorübergehend könnten so eben die drei Flugzeugträger vor Nordkorea sein.

Gegenüber dem philippinischen Präsidenten Duterte hatte Trump in einem geleakten Telefongespräch zwar erklärt, er wolle keine militärische Initiative ergreifen und hoffe auf China, aber er pries die militärische Überlegenheit der USA und ihre Atomstreitmacht und erklärte, zur Not alleine zu handeln. Allerdings haben die USA im Fall von Nordkorea eine gewisse Rückendeckung durch den UN-Sicherheitsrat, der in einer Resolution Mitte Mai den letzten Raketentest verurteilte und Nordkorea aufforderte, keine weiteren Raketen- und Atomwaffentests durchzuführen. Auf dem G7-Gipfel wurde in diesem Fall ebenfalls Einigkeit demonstriert. In der G7-Erklärungheißt es, Nordkorea stelle eine zunehmende Gefahr für den internationalen Frieden und die internationale Stabilität dar. Der Sicherheitsrat wird aufgefordert, die gegen Nordkorea verhängten Resolutionen auch umzusetzen.

Man wird davon ausgehen können, dass Trump, der an vielen Fronten vor allem Zuhause kämpfen muss, nicht an einem militärischen Konflikt mit Nordkorea interessiert ist. Riskant aber ist die Machtdemonstration allemal bei einem Gegner, bei dem man auch nicht weiß, wie er sich letztlich verhalten wird. In Südkorea bekannt wurde ein angeblicher Plan Trumps, der vorsieht, Nordkorea nicht als Atommacht anzuerkennen und möglichst hohen Druck und Sanktionen einzusetzen, aber nicht einen Regime Change anzustreben und eine friedliche Lösung zu suchen. Allerdings steht Trump unter Erfolgsdruck, während das weiter isolierte Nordkorea unberechenbar werden könnte.

Man kann davon ausgehen, dass die starke militärische Präsenz der USA im Pazifik China irritieren wird. Unklar ist, ob die chinesische Führung, die bereits auf deutliche Distanz zu Nordkorea gegangen ist, eine militärische Intervention befürworten würde. Das Land fürchtet nicht nur den Ausbau der Macht der USA, die China ähnlich wie Russland einschließen und verhindern wollen, dass China seine Ansprüche auf einen großen Teil des Südchinesischen Meeres durchsetzt.

China beschwerte sich nicht nur über der G7-Erklärung, in der man sich besorgt über die Situation im Südchinesischen Meer und einseitigen Aktionen aussprach, sondern wies auch eine Darstellung des Pentagon zurück, die chinesische Luftwaffe sei zu nahe an ein US-Aufklärungsflugzeug geflogen und habe unsichere Manöver durchgeführt. Man habe lediglich das Flugzeug identifiziert, das sei legitim, heißt es von der chinesischen Regierung, die sich ihrerseits darüber beklagt, dass immer wieder amerikanische Militärmaschinen in den chinesischen Luftraum eingedrungen seien, was Chinas Souveränität verletze.

Wenn schon Nordkorea Raketen testet, wird das Pentagon nun diese Woche sein Raketenabwehrsystem testen und erstmals versuchen, eine Interkontinentalrakete als Dummy einer möglichen nordkoreanischen Rakete abzuschießen. Im Gegensatz zu dem THAAD-Raketenabwehrsystem, das das Pentagon noch schnell vor dem Amtsantritt der neuen Regierung in Südkorea stationiert hat, soll hier das mit einer Rakete abgefeuerte „Kill Vehicle“ des Ground-based Midcourse Defense System (GMD) eine Interkontinentalrakete auf ihrem suborbitalen Flug durch Aufprall zerstören.

GMD-Test 2014. Bild: MDA.mil


Wenn dabei mehrere Sprengköpfe (MIRV) und/oder Täuschkörper eingesetzt werden, kann die bislang verwendete Technik ausgetrickst werden, weswegen das Pentagon auf die Entwicklung eines Multiple-Kill-Vehicle-Systems (MOKV) setzt. Vorgesehen sind im Budgetentwurf für 2018 dafür mehr als 250 Millionen US-Dollar, frühestens einsatzbereit soll das System 2025 sein. Aber auch schon bei den bisherigen Testversuchen gegen nur eine Rakete erwies sich das bodengestützte Abwehrsystem NMD als bedingt erfolgreich. Richtig getestet oder im Einsatz geprüft wurde das System bislang nicht.

Das Pentagon will für die Missile Defense Agency 2018 7,9 Milliarden US-Dollar, 379 Millionen mehr als 2017, um das Raketenabwehrsystem für die USA und die Alliierten zu verbessern und auszuweiten. Nordkorea – oder auch der Iran – kommt da gerade recht, denn es geht auch darum, die Alliierten unter den amerikanischen Raketenabwehrschirm zu bringen, um das System zu finanzieren und die Alliierten technisch und militärisch abhängig zu machen.

Allerdings ist fraglich, ob Nordkorea überhaupt bislang in der Lage ist, eine Interkontinentalrakete zu bauen, erfolgreich abzuschießen und mehrere Sprengköpfe und Täuschkörper einzusetzen. Zu Jahresbeginn hatte Kim Jong-un angekündigt, eine Langstreckenrakete testen zu wollen. Bislang wurden nur Mittelstreckenraketen erfolgreich getestet.



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