Uber: Stress an allen Fronten



Protest von Taxifahrern gegen Uber-Konkurrenz, in Portland, USA, 2015. Foto: Aaron Parecki / CC BY 2.0

Das Unternehmen verbrennt auch im ersten Quartal 700 Millionen US-Dollar und am europäischen Gerichtshof und in diversen Ländern formiert sich massiver Widerstand

Der umstrittene Mobilitätsanbieter Uber will vor allem in der sogenannten Sharing Economy viel Geld verdienen. Doch bisher schreibt er nur massive Verluste, die allerdings im ersten Quartal allerdings auf „nur“ noch 700 Millionen US-Dollar gesenkt werden konnten. In einigen Ländern entwickelt sich massiver Widerstand gegen Uber und andere Fahrdienste wie Cabify, die immer militanter werden.

Vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) ist nun eine wichtige Vorentscheidung gegen das dubiose Geschäftsmodell gefallen. Der Generalanwalt, dessen Einschätzung das Gericht fast immer folgt, meint, dass Uber Lizenzen wie Taxis benötigt. Und auch der Bundesgerichtshof hat gerade den EuGH einen Fall zur Vorentscheidung vorgelegt.

Uber ist eines der Internetunternehmen, das ohne die Blase, die sich durch die lockere Geldpolitik der Notenbanken aufbläst undenkbar wäre. Viele dieser Firmen verbrennen Quartal für Quartal viel Geld. Twitter ist dafür wohl das beste Beispiel, denn die Firma aus dem Silicon Valley hat seit dem Start vor elf Jahren noch in keinem Quartal Geld verdient und inzwischen Verluste von mehr als 2,3 Milliarden Dollar angehäuft.

Für Uber sind das aber eher „Peanuts“. Der umstrittene Mobilitätsanbieter hat allein im ersten Quartal 708 Millionen Dollar verbrannt. Als „Erfolg“ verbucht man in San Francisco – wie bei Twitter -, dass man zuletzt die Verluste reduzieren konnte. Denn im Vorquartal standen noch 991 Millionen als dicke roten Zahlen in den Büchern. Das Unternehmen aus Kalifornien hat also in einem halben Jahr schon fast so viel Geld verbrannt, wie Twitter in mehr als einem Jahrzehnt.

Wie viel Geld – vermutlich Milliarden – insgesamt schon verbraten wurden, kann man nur schätzen. Uber ist nicht verpflichtet, da es nicht an den Börsen notiert ist, seine Zahlen zu veröffentlichen. So wurde auch nicht offengelegt, wie hoch die Verluste im vergangenen Jahr insgesamt waren.

Allerdings hatte die Firma gegenüber dem Wall Street Journal erklärt, noch über 7,2 Milliarden Dollar als Brennstoff zu verfügen. Da die Firma insgesamt 15 Milliarden auch Risikokapital von Goldman Sachs, Google und anderen eingefahren hatte, kann man abschätzen, dass mehr als die Hälfte davon schon weg ist.

Man ist aber offensichtlich geneigt, sich im Notfall auch noch weitere Milliarden zu beschaffen. Dass zuletzt nun Quartalszahlen veröffentlicht wurden, bestätigt Gerüchte, dass auch Uber an die Börse gehen will, um von der Dotcom-Blase 2.0 zu profitieren, um das Brennstofflager aufzufüllen.

An der Börse sind risikofreudige Anleger auch angesichts der Nullzinspolitik bereit, viel Geld in solche Firmen zu stecken, bei den ziemlich unklar ist, ob sie jemals Geld verdienen werden. Das hatte zuletzt Snapchat sehr deutlich gezeigt (vgl. Tech-Sektor-Blase: Das alte Dilemma am nicht mehr „Neuen Markt“).

Gegenüber dem Wall Street Journal meinte Uber zuletzt: „Die Reduzierung der Verluste im ersten Quartal bringt uns auf guten Kurs zur Profitabilität.“ Klingt ambitioniert. Aber eine solche Phraseologie kennt man von Twitter und Co auch schon seit Jahren. Allerdings, das sei auch angemerkt, hat Uber wenigstens ein Geschäftsmodell, das nicht allein auf Werbeeinahmen abzielt.

Einnahmen werden auch aus dem Geschäft heraus generiert. Denn die Fahrer führen bis zu 25% des Fahrpreises an die Firma ab. Dass man aber mit diesem Geschäftsmodell wirklich Gewinne machen kann, wird bezweifelt.

Dunkle Wolken gibt es viele, die sich im und um das Unternehmen herum in den letzten Jahren gebildet haben. Dass es kriselt, zeigt auch die Tatsache an, dass Manager reihenweise von der Stange gehen oder gehen müssen. Gerade hat auch der bisherige Finanzchef Gautam Gupta das Weite gesucht. Und kürzlich wurde auch der Entwicklungschef und Spezialist für die selbstfahrenden Autos gefeuert. Hinter der Entlassung von Anthony Levandowski stehen Patentstreitigkeiten mit Google, die noch sehr teuer werden können.

Schon im März ging Präsident Jeff Jones von der Stange. Das war ausgerechnet der Mann, der das schlechte Image der Firma aufpolieren sollte. Gesprochen wird längst von einem „Exodus“, denn seit Februar wurden etwa ein Dutzend Manager gefeuert oder haben das Unternehmen verlassen, das auch wegen Vorwürfe des Sexismus und sexueller Belästigung mit einem massiven Problem konfrontiert ist.

Das Geschäftsgebaren von Uber hatten schon Kunden kritisiert, doch die Firma muss immer wieder auch Millionen an seine Fahrer zurückzahlen, weil deren Provisionen seit Jahren falsch berechnet wurden. Gerechnet wird damit, dass die Firma allein in New York nun bis zu 45 Millionen Dollar zurückgeben muss. Da ein ähnlicher Fehler bereits aus Philadelphia bekannt war, der sich mit einer Zahlung von 20 Millionen Dollar an die Fahrer in den Büchern niederschlägt, kann es durchaus sein, dass aus etlichen Städten und Ländern noch Nachforderungen kommen.

In New York wurde die Provision für die Vermittlung der Fahrt schlicht auf den Endpreis der Kunden angewendet. Vereinbart ist allerdings, dass zuvor alle Steuern abgezogen werden müssen.

Zudem wird der Firma nicht nur vorgeworfen, die eigenen Fahrer zu betrügen, sondern vorgebracht wird auch, dass Kunden abgezockt würden. So wurde die Firma gerade dafür verklagt, dass sie nicht die effizientesten Routen, sondern zu lange Strecken abrechne. Darüber soll die Firma angeblich monatlich etwa 7,5 Millionen Dollar zusätzlich einnehmen. Leidtragende sind dabei auch die Fahrer, denn ihre Einnahmen werden auf Basis der besten Route berechnet. Einige haben ebenfalls die Firma verklagt, der sie „Diebstahl“ vorwerfen.



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