US-Wähler interessieren sich wenig für Russlandkontakte



Grafik: TP

Diskrepanz zwischen Medien- und Bürgerinteresse – Trump twittert wieder und spekuliert, ob Washington Post und New York Times ihre Quellen erfinden

In den großen US-Medien dominiert seit Wochen ein einziges Thema: Kontakte zwischen Mitarbeitern des US-Präsidenten Donald Trump und russischen Staatsakteuren. Erica Werner, die US-Kongress-Korrespondentin der Nachrichtenagentur Associated Press (AP), offenbarte nun in der PBS-Sendung Washington Week, dass sich die US-Bürger anscheinend weit weniger dafür interessieren als ihre Medien: Kongressabgeordnete beider großer Parteien räumten ihr gegenüber ein, dass es von Bürgern aus ihren Wahlkreisen nicht angesprochen wird, wenn Sie mit ihren in so genannten Town Hall Meetings diskutieren.

Deshalb, so Werner, agierten in dieser Affäre weder demokratische noch republikanische Abgeordnete und Senatoren aus einem Bürgerdruck heraus, sondern eher aus einem parteilichen oder privaten Interesse daran, welche Kontakte es zwischen Trump-Vertrauten und russischen Staatsakteuren gab und gibt. Wähler interessieren sich stattdessen vor allem für zwei andere Bereiche, die ihnen offenbar wesentlich näher sind: Für Arbeitsplätze und für ihre Krankenversicherung.

Einigen demokratischen Politikern scheint diese Präferenz der Wähler bewusst zu sein: Barack Obamas Vizepräsident Joseph Biden etwa mahnte am Sonntag, dass sich die Politik zu wenig um Leute gekümmert habe, die mit einem Jahresfamilieneinkommen von78.000 Dollar zwei Kinder ernähren müssen. Ob der von ihm vorgestellte Kandidat für den Gouverneursposten in New Jersey – der ehemalige Goldman-Sachs-Banker Phil Murphy – der richtige Mann ist, um diesem Defizit abzuhelfen, ist eine andere Frage.

Im Zentrum der Medienberichte zur Russlandaffäre steht aktuell Trumps Schwiegersohn und Chefberater Jared Kushner, dem vorgeworfen wird, mit dem russischen Botschafter in Washington über die Einrichtung eines vertraulichen Kommunikationskanals gesprochen zu haben. Trumps Heimatschutzminister John Kelly würde die Einrichtung solch eines Kanals nicht für verwerflich, sondern für „normal“ und für eine „gute Sache“ halten, wie er der ABC-Sendung This Week sagte: Seiner Ansicht nach schadet es nichts, wenn für ein Land wie Russland nicht nur eine, sondern mehrere Kommunikationskanaloptionen zur Auswahl stehen. So könne man gezielt mit Personen aus verschiedenen Organisationen sprechen und Informationen, an die man sonst vielleicht nicht gekommen wäre, mit der Administration teilen.

Über die informellen Kommunikationskanäle, die es zwischen öffentlich nicht namentlich bekannten Regierungs- und Behördenmitarbeitern und Medien wie der Washington Post, der New York Times und CNN geben soll, ist man in der Trump-Administration weniger erfreut, weil diese Medien fast jeden Tag mit neuen angeblichen oder tatsächlichen Geheiminformationen aufwarten. CBS News nach hat man im Weißen Haus bereits drei „Überbleibsel“ der Obama-Administration im Auge, von denen man glaubt, dass sie die „Leaker“ sein könnten. Wie mit ihnen verfahren wird, soll Donald Trump entscheiden, der letzte Woche im Ausland weilte.

Trump selbst twitterte nach seiner Rückkehr am Sonntag mehrere Botschaften, die in eine andere Richtung deuten: Danach hält er es für „sehr gut möglich, dass solche Quellen nicht existieren, sondern von den Fake-News-Schreibern erfunden wurden“. „#FakeNews“, so Trump mit Hashtag, „ist der Feind!“

Eine offizielle Stellungnahme von Trumps Pressesprecher Sean Spicer dazu gibt es bislang nicht – dafür aber weitere Gerüchte, dass der Aufgabenbereich des Ex-Osterhasen nach Trumps Bedürfnissen zurechtgestutzt werden soll: Anstatt täglich einige Dutzend Vertreter etablierter Medien durch seinen Sprecher „briefen“ zu lassen, könnte Trump sich dann über Soziale Medien direkt an das Volk wenden, was er bereits in der Vergangenheit ausgiebig machte.

Dass er auf seiner Auslandsreise weniger twitterte als sonst, lag der Politico-Reporterin Annie Karnie nach daran, dass seine Ehefrau Melania ihn begleitete. Die hatte im letzten Jahr auf die Frage, welche Ratschläge sie ihrem Ehemann gebe, geantwortet, sie sage ihm, er solle keine Sachen twittern, die ihn „in Schwierigkeiten bringen“.

Der New York Times zufolge lag die Abstinenz nicht an der Ehefrau, sondern an Anwälten, die den Präsidenten gewarnt haben sollen, jeder unbedachte Tweet könne später einmal vor Gericht gegen ihn verwendet werden. Ein Opfer dieser neuen inneren Zensur soll ein geplanter Tweet gegen den ehemaligen republikanischen Repräsentantenhaussprecher John Boehner gewesen sein, der Trumps bisherige Präsidentschaft als „komplettes Desaster“ bezeichnet hatte.



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