Verbot für Lieferroboter auf Gehwegen?



Lieferroboter von Starship Technologies dürfen in Washington getestet werden. Bild: Starship Technologies

Der Kampf um Raum zwischen Autofahrern, Fahrradfahrern und Fußgängern wird durch Inlineskates, Skateboards, Segways und neuerdings Robotern verschärft

Mit den autonomen, elektrischen Fahrzeugen könnte demnächst eine neue Generation von Autos und Lastwagen die Straßen erobern und die von Menschen gesteuerten, lauten und die (Atem)Luft belastenden Wagen allmählich verdrängen. Gleichwohl ersetzt damit nur ein Wagentyp einen anderen, auch wenn die Folgen für den Verkehr und den urbanen Raum erheblich sein werden, zumal wenn Drohnen und autonome Flugzeuge Auslieferung und Personentransport teils in die Luft heben.

Dahinter vollzieht sich zumindest in den Städten noch eine tiefer gehende Auseinandersetzung, nämlich wer in Zukunft auf Straßen und Gehwegen dominieren wird. Auch mit autonomen Fahrzeugen werden die jetzt schon auftretenden Engpässe und Konflikte im Verkehr mit Fahrrad-, eBike- oder Rollerfahrern und Autos sich weiter verstärken. Es müssen nicht gleich autoverkehrsfreie, Mischverkehr-, Shared-Space- oder Fahrrad-Straßen sein, sondern schon alleine die wachsende Anzahl an Radfahrern verlangsamen den Autoverkehr. Wobei auch interessant wäre, wie sich autonome Fahrzeuge in einem Pulk von anarchisch in die Pedale tretenden Fahrradfahrern verhalten sollen oder würden.

Wenn es nach manchen Plänen geht, werden die Menschen auf den Straßen und Plätzen nicht nur damit rechnen müssen, dass ihnen Drohnen auf den Kopf fallen, auch wenn dies durch Fallschirme verlangsamt geschehen sollte. Fußgänger und Fahrradfahrer sind mit autonomen Fahrzeugen konfrontiert, mit denen sie keine Blicke austauschen können, um abzuschätzen, wie sie sich verhalten sollen. Dazu kommen aber auch vielleicht noch neue Lieferroboter auf den Gehwegen, wie sie bereits getestet werden (Sind „Landdrohnen“ zum Ausliefern sicherer als fliegende Drohnen?). Sie sollen dazu dienen, Waren in der Nähe auszuliefern und dabei Staus zu vermeiden. Noch werden sie in Vororten getestet, wo nicht viele Fußgänger unterwegs sind, aber wenn sie in die Innenstädte einziehen und sich unter die Menschenmassen mischen müssen, dürften die nächsten Probleme für den Verkehr entstehen, sofern Stadtverwaltungen überhaupt die Genehmigung erteilen werden (Ist die Lieferung von Pizzen mit „Landdrohnen“ mehr als nur ein Werbegag?).

Dabei geht kann es auch darum gehen, ob Menschen bereit sind, den öffentlichen Raum der Gehwege mit Robotern zu teilen, die nicht nur menschliche Arbeit ersetzen, sondern auch den Zugriff der Konzerne auf ein weiteres Stück der Lebenswelt markieren. Interessanterweise ist der Konflikt just dort entbrannt, wo sich die IT-Konzerne und Start-Ups tummeln, die alle Lebensbereiche durchkämmen, um sie zu digitalisieren. In San Francisco sind bereits Lieferroboter unterwegs, um Essen zu bringen. Sie rollen mit einer Geschwindigkeit von 5-10 km/h über die Gehwege, sind so groß wie Einkaufswägen, bewegen sich zwischen den Menschen und überqueren die Straßen.

Das Start-Up Marble beispielsweise liefert mit seinen Robotern Essen von Yelp’s Eat24 aus. Aber möglicherweise nicht mehr lange. Norman Yee, der in San Francisco als Supervisor gewählt wurde, hat am 16.5. einen Gesetzentwurf eingereicht, der es verbieten würde, autonome Roboter auf öffentlichen Gehwegen fahren zu lassen. Er wolle die Gehwege für die Menschen sicher halten, alte Menschen, Kinder oder Behinderte könnten nicht so schnell reagieren, um Robotern auszuweichen, sagt er. Dazu komme, dass die Roboter Arbeitsplätze vernichten. Auch Datenschutz spielt eine Rolle, weil die Roboter zum Navigieren mit Kameras ausgestattet sind. Und es gebe auch noch die Terrorgefahr. Schließlich könnte jemand die Roboter nicht mit Pizzas oder Tacos, sondern mit Sprengstoff füllen und zu einem Ziel fahren lassen. Angeblich ist er aber wieder von einem Verbot abgekommen, da solche Regeln sowieso nicht durchsetzbar wären.

Lieferroboter von Marble. Bild: Marble


Das Problem beginnt nicht erst mit Lieferrobotern, die in den Raum drängen, der eingerichtet wurde, um Fußgänger zu schützen und sicher gehen zu lassen. Für Fahrräder, wozu sich auch Pedelecs und e-Bikes gesellen, wurden bereits besondere Bereiche eingerichtet, aber da sind auch noch Inlineskates, Skateboards oder Segways, die sich zwischen Fußgänger und Fahrradfahrer auf Gehwegen und Fußgängerzonen drängeln. In Deutschland dürfen Inlineskater als „besondere Fortbewegungsmittel“ Gehwege benützen. Segways als „elektronische Mobilitätshilfen“ dürfen Gehwege nicht benutzen, sondern konkurrieren mit Fahrrädern um den Raum auf Radwegen und Straßen. Bei Stadtführungen haben Fußgänger Vorfahrt. Aber was ist mit Robotern bzw. Landdrohnen , die ja neue, nicht-menschliche Verkehrsteilnehmer sind?

Am einfachsten wäre es, einfach allen Fortbewegungsarten einen eigenen Raum zu geben: Autos, Fahrradfahrer, Segways und andere n Mobilitätshelfern, Fußgängern und dann eben noch eine Spur für Roboter. Aber die Straßen sind schon oft zu eng, um Fußgänger, Fahrradfahrer und Autofahrer zu trennen. Und jeder weitere Schritt würde dazu führen, das Primat der Autos, gleich ob autonom oder menschengesteuert, einzuschränken.

Argumentiert wird für die Zulassung der Lieferroboter, weil die Verstopfung der Straßen durch die vielen Auslieferer von Online-Bestellungen zunimmt. Die Lieferfahrzeuge der verschiedenen Firmen, die in die Straßen einfallen, müssen irgendwo parken und führen deswegen oft zu Verkehrsbehinderungen. Für die letzte Meile könnten daher kleinere Lieferroboter, die nicht auf der Straßen, sondern auf Gehwegen fahren, für Entlastung sorgen. Aber sie verlagern mögliche Behinderungen und Gefährdungen eben auf die Gehwege. Die aber sind eigentlich für die Fußgänger da, die sich ungefährdet bewegen können sollen. So war das zumindest einst gedacht, um den Autos ihren Raum zu sichern.

Virtuell in SimCities wäre alles kein Problem, aber in den realen Städten sind die Räume festgelegt, betoniert. Mit der Pluralisierung der Verkehrsteilnehmer muss der Verkehr neu geregelt werden. Das Primat des Autoverkehrs wird in den Städten nicht mehr lange halten. Aber wie regelt man in einer urbanen Welt den gemeinsamen Raum für eine Vielzahl höchst unterschiedlicher Fortbewegungsmittel und Verkehrsteilnehmer, wenn trennen aus Platzgründen schlicht nicht mehr möglich ist?



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Originalbild mit freundlicher Genehmigung von heise.de

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